Netzwerktreffen JMED

Präkonferenz-Workshop des Netzwerks Junge Medizinethik (JMED)

Dr. Nadia Primc1, Regina Müller, M.A.2, Dr. Dr. Giovanni Rubeis1, Dr. Robert Ranisch2, Dr. Solveig Lena Hansen3

1Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; 2Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Eberhard Karls Universität Tübingen; 3Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Universitätsmedizin Göttingen

Gäste: Prof. Dr. Birgit Beck (Berlin), Dr. Sabine Wöhlke (Göttingen)

Teil 1 (geschlossene Veranstaltung): "Wissenschaftliche Qualitätsstandards medizinethischer Forschung"
Zeit: 10.00-11.50 Uhr

In den biomedizinischen Wissenschaften wird seit ca. 15 Jahren die mangelnde Reproduzierbarkeit publizierter Forschungsergebnisse diskutiert. Einige Autor*innen sprechen sogar von einer Reproduzierbarkeitskrise. Hintergrund dieser Diskussion ist, dass die Reproduzierbarkeit der Forschungsergebnisse in den Naturwissenschaften als ein grundlegendes Merkmal der experimentellen Überprüfbarkeit und damit der wissenschaftlichen Qualität angesehen wird.
In der Medizinethik hat die Reproduzierbarkeit und experimentelle Überprüfung der Forschungsergebnisse nicht den gleichen Stellenwert wie in den von Medizinethiker*innen beforschten biomedizinischen Fächern selbst. Somit stellt sich die Frage, welche zusätzlichen oder alternativen Qualitätsstandards in der medizinethischen Forschung gelten sollten. Diese Frage ist gerade für Nachwuchswissenschaftler*innen relevant, sowohl in ihrer Rolle als Forschende, als auch in der Funktion als Begutachter*innen oder Antragssteller*innen für Drittmittelprojekte. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Pluralität der verwendeten Methoden dar, die unterschiedlichen Fachkulturen entlehnt und auch unterschiedlichen Qualitätsstandards unterworfen sind. Methodische Werkzeuge aus dem Bereich der normativen Ethik, wie z.B. indirekte Beweise, Gedankenexperimente oder unterschiedliche Formen des Schlussfolgerns und Urteilens, sollen mit empirischen Methoden verbunden werden. Die Qualitätsstandards medizinethischer Forschung sind zudem von anderen, beratenden Tätigkeitsbereichen der Medizinethiker*innen abzugrenzen, wie etwa der Arbeit in interdisziplinären Konsilien, Gremien und Kommissionen. Die Reflexion auf die Unterschiede zwischen medizinethischer Forschung und medizinethischer Beratertätigkeiten (z.B. in Form von Politikberatung und politischen Stellungnahmen) ermöglicht es, die besonderen Anforderungen an medizinethische Forschung schärfer herauszuarbeiten.
Die wissenschaftlichen Qualitätsstandards medizinethischer Forschung sollen mit den Teilnehmer*innen an drei moderierten Thementischen diskutiert werden, die sich an den unterschiedlichen methodischen Zugängen und Tätigkeitsbereichen der Medizinethik orientieren:

Tisch 1: Normative Medizinethik
Tisch 2: Empirische Medizinethik
Tisch 3: Medizinethische Forschung und Politikberatung

Folgende Leitfragen stehen bei der Erarbeitung konkreter Qualitätsmerkmale medizinethischer Forschung im Vordergrund:

  • Welche methodischen Werkzeuge werden in der Medizinethik angewandt?

  • Welche wissenschaftlichen Qualitätsstandards lassen sich für die unterschiedlichen methodischen Zugänge formulieren?

  • Wie lassen sich diese Qualitätsstandards in der medizinethischen Forschung umsetzen?

  • Mit welchen Schwierigkeiten ist man hierbei in der medizinethischen Forschung konfrontiert?

Teil 1 des Workshops wird als geschlossenes Format angeboten und richtet sich insbesondere an Post-Docs und fortgeschrittene Promovierende. Nachwuchswissenschaftler*innen sollen in die Lage versetzt werden, die wissenschaftlichen Qualitätsstandards nachzuvollziehen und auf die eigene Forschung anzuwenden.
Die Teilnehmer*innen werden gebeten, sich vorab einem der drei Thementische zuzuordnen. Ihnen wird vorab von den Moderator*innen einführendes Material (z.B. kurze Video- oder Audiopräsentation, einführende Texte, Podcasts, Online-Vorträge) zur Vorbereitung auf den Thementisch zur Verfügung gestellt. Den Nachwuchswissenschaftler*innen wird auch die Möglichkeit gegeben, über methodische Herausforderungen bei den eigenen Forschungs- und Publikationstätigkeiten zu berichten. Hierfür erfolgt zusammen mit der Anmeldung eine Abfrage zu den methodischen Schwerpunkten der bisherigen Forschung sowie zu konkreten Fragen, die aus Sicht der Teilnehmer*innen an dem jeweiligen Thementisch behandelt werden sollen.
Die Teilnahme an dem Workshop ist kostenlos und auf eine Anzahl an 20 Teilnehmer*innen begrenzt. Interessierte können sich über das Online-Anmeldeformular bis zum 31. August 2020 für Teil 1 des Workshops anmelden und erhalten dann weitere Informationen per Mail.

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